{"id":159,"date":"2013-06-17T20:02:35","date_gmt":"2013-06-17T19:02:35","guid":{"rendered":"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/?p=159"},"modified":"2023-06-21T13:17:19","modified_gmt":"2023-06-21T12:17:19","slug":"anwendung-von-titanspacer-in-der-lendenwirbelsaeulenchirurgie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/index.php\/2013\/06\/17\/anwendung-von-titanspacer-in-der-lendenwirbelsaeulenchirurgie\/","title":{"rendered":"Anwendung von Titanspacer in der Lendenwirbels\u00e4ulenchirurgie"},"content":{"rendered":"\n<p>Verfasser: Dr. med. Abbas Montazem, Neurochirurg, Kreiskrankenhaus B\u00fchl<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In der Zeit von Anfang 1996 bis Oktober 2002 habe ich bei der Lendenwirbels\u00e4ulenoperation von dorsal nach Entfernung der Bandscheiben \u00fcber doppelseitige interlamin\u00e4re Fensterungen Titanspacer als Abstandhalter eingesetzt. In dem genannten Zeitraum habe ich f\u00fcr 332 Patienten insgesamt 794 Titanspacer verschiedener Gr\u00f6\u00dfen angewandt. Postoperative Ergebnisse waren so zufriedenstellend, dass ich diese Art operativer Behandlung als erste Wahl anbiete und fortsetze.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Kurze Vorgeschichte<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Am Anfang waren Neurologen, die aufgrund neurologischer Kenntnisse ein Wurzelkompressionssyndrom im lumbalen Bereich feststellten und sich schlie\u00dflich zu einer operativen Dekompression entschlossen. Sp\u00e4ter haben die Neurochirurgen die Bandscheibenoperation hauptamtlich in ihren Abteilungen durchgef\u00fchrt. Es wurden Bandscheibensequester, die geplatzt und auf die Nervenwurzel dr\u00fcckten, \u00fcber einen kleineren oder gr\u00f6\u00dferen Schnitt im Bereich der lumbalen Wirbels\u00e4ule von dorsal entfernt. Es wurden immer mehr Bandscheibenoperationen durchgef\u00fchrt, teilweise mit absoluten und relativen Indikationen. W\u00e4hrend die Patienten nach Entfernung der Bandscheibensequester von seiten der Nervenwurzelkompression befreit wurden, entstand sehr h\u00e4ufig eine chronische Schmerzsituation im Lendenwirbels\u00e4ulenbereich, die den regelm\u00e4\u00dfigen Gang dieser operierten Patienten zum Chirurgen notwendig machten.<br>Man sprach h\u00e4ufig vom Verdacht eines Rezidiv-Bandscheibenvorfalls und bei einer Re-Operation fand man nichts au\u00dfer naturgem\u00e4\u00df vorhandener Verwachsungen.<br>Ich bin der Ansicht, dass man zu unrecht geglaubt hat, dass die Verwachsungen die Ursache der postoperativen Beschwerden sind. \u00c4hnlich wie bei der Halswirbels\u00e4ule hat man auch an statische St\u00f6rungen nach Entfernung der Bandscheibe gedacht. In den letzten 10 Jahren war aus diesem Gedanken heraus die Notwendigkeit des Einsatzes eines Titanspacer geboren. Anfang der 90iger Jahre wurden die ersten industriellen Titanspacer f\u00fcr die Anwendung im lumbalen Bereich konzipiert und auf den Markt gebracht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"229\" height=\"192\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/spacer.jpg\" alt=\"Spacer mit Aplicator\" class=\"wp-image-162\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Spacer mit Applicator<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"218\" height=\"280\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/roentgenkontrolle.jpg\" alt=\"Postoperative R\u00f6ntgenkontrolle\" class=\"wp-image-163\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Postoperative R\u00f6ntgenkontrolle<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Form dieser Spacer \u00e4nderte sich gem\u00e4\u00df der Entwicklung sehr rasch. Ich initiierte die Form eines Titanspacers in Form eines Konus mit tiefen Gewindeg\u00e4ngen.<br>Das Hineinschrauben eines solchen Titan- spacers \u00fcber ein interlamin\u00e4res Fenster war dann sehr leicht. Durch das Vorw\u00e4rts- schrauben dieses Schraubspacers war gleichzeitig eine Distraktion des Zwischenwirbel- raumes m\u00f6glich. Auf diese Weise war es m\u00f6glich, das Postdiskektomiesyndrom sehr effektvoll zu behandeln, au\u00dferdem war es prim\u00e4r bei Band- scheibenvorf\u00e4llen, die mit Instabilit\u00e4t verbunden waren, von vornherein m\u00f6glich mit Spacern zu versorgen, um ein\u00a0 Postdiskektomiesyndrom zu vermeiden. Eine Erweiterung der Indikation war gegeben bei F\u00e4llen, bei denen eine prim\u00e4re Instabilit\u00e4t mono- oder bisegmental gegeben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Patientengut und Auswahl und Zahl der Patienten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>In der Zeit von 1996 bis Oktober 2002 habe ich 332 Patienten mit Titanspacern versorgt. Diese Zahl bezieht sich auf jene Patienten, die ich selbst operiert habe.<br>In der Anfangszeit wurden ausschlie\u00dflich Patienten mit einem Postdiskektomiesyndrom mit Titanspacer versorgt. Die Ergebnisse waren verbl\u00fcffend.<br>Bei dieser Gruppe Patienten war zuvor die Diagnose einer Narbenbildung und hierdurch verursachtes Schmerzsyndrom festgestellt worden. Bei allen Patienten mit einem Postdiskektomiesyndrom fand ich eine ver\u00e4nderte Geometrie der operierten Bandscheibe, der Zwischenwirbelraum war erniedrigt, eine Hypertrophie der kleinen Wirbelgelenke waren entstanden. Diese waren teils mit einer Instabilit\u00e4t, teils ohne Instabilit\u00e4t r\u00f6ntgenologisch nachweisbar. Bei dieser Gruppe Patienten konnte nach Korrektur der Geometrie, Erweiterung des Zwischenwirbelraumes auf nat\u00fcrliche H\u00f6he, Einsatz von Titanspacer ein sehr gutes postoperatives Ergebnis erzielt werden.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"199\" height=\"270\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/bisegversorgung.jpg\" alt=\"Bisegmentale Versorgung\" class=\"wp-image-166\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bisegmentale Versorgung<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><br>In der Anfangsphase habe ich den Patienten nach Einsatz von Titanspacer zus\u00e4tzlich mit einem monosegmentalen Fixateur interne versorgt.\u00a0\u00a0<br>Nach der Entwicklung von Titanschraubspacern war die zus\u00e4tzliche Anwendung von monosegmentalem Fixateur interne nicht mehr notwendig. Die Voraussetzung war, dass die Schraubspacer in dem Zwischenwirbelraum sehr fest hineingedreht werden und weit nach ventral vorgeschraubt werden. Auf diese Weise war eine extreme prim\u00e4re Festigkeit durch Distraktion der betroffenen Wirbel bei Einsatz entsprechend gro\u00df ausgew\u00e4hlter Schraubspacer gew\u00e4hrleistet. Die Operation erfolgte auch hier \u00fcber interlamin\u00e4re Fensterung, wobei prinzipiell zwei Titanspacer pro Bandscheibe zur Anwendung kamen. Die Erweiterung der Indikationsstellung geschah aufgrund guter Ergebnisse, so dass Patienten mit einfachem Bandscheibenvorfall nach entsprechender Aufkl\u00e4rung prim\u00e4r mit Titanspacern versorgt wurden. Diese Gruppe Patienten zeigte ganz selten (unter 1 Prozent) ein Postdiskektomiesyndrom.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"288\" height=\"217\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/roengten_multisegversorgung.jpg\" alt=\"Post operatives R\u00f6ntgen multisegmentaler Versorgung\" class=\"wp-image-164\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Post operatives R\u00f6ntgen multisegmentaler Versorgung<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p><br>Bei vier Patienten (von 332) war es nicht zum vollst\u00e4ndigen Einheilen des eingesetzten Knochenmaterials in den Zwischenwirbelraum gekommen, so dass eine Re-Fusion notwendig wurde.<br>Dies geschah bei diesen genannten vier F\u00e4llen \u00fcber ventralen Zugang. Eine Art Pseudarthrose kam jedoch bei Patienten, die zus\u00e4tzlich instrumentiert wurden nicht vor. Die Patienten wurden regelm\u00e4\u00dfig nachuntersucht. Dies geschah 6 Wochen nach der Entlassung sowie 6 Monate nach der Operation. Bis auf die genannten vier Patienten mit Nichteinheilen des Knochenmaterials war bei allen eine deutliche Besserung der zuvor bestehenden Beschwerden erreicht.<br>279 Patienten wurden jeweils mit 2 Spacern, 41 Patienten mit 4 Spacern und 12 Patienten mit 6 Spacern versorgt. Die mehrsegmentale Versorgung mit Spacer erfolgte gleichzeitig mit Einsatz von einem Fixateur interne, ebenfalls aus Titan.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Operatives Procedere<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bei dem genannten Patientengut, gleichg\u00fcltig ob es sich um postoperative Rezidivbeschwerden oder prim\u00e4re Instabilit\u00e4t oder auch bei Patienten mit einem Bandscheibenvorfall handelt, erfolgte dieselbe operative Prozedur. \u00dcber einen dorsalen Zugang wie bei einer Bandscheibenoperation erfolgt doppelseitige Abschiebung der paravertebralen Muskulatur und Darstellung des interlamin\u00e4ren Bereich. Es erfolgt eine interlamin\u00e4re Fensterung auf beiden Seiten. Eine weitere oss\u00e4re Erweiterung nach lateral war notwendig.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"212\" height=\"181\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/eigenknochenmaterial.jpg\" alt=\"Eigenknochenmaterial f\u00fcr Fusion\" class=\"wp-image-161\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eigenknochenmaterial f\u00fcr Fusion<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Es wurde prinzipiell alles Knochenbr\u00f6selmaterial, das durch Stanzarbeit gewonnen wurde, aufgehoben, um den Zwischenwirbelraum damit aufzuf\u00fcllen.<br>In F\u00e4llen, in denen eine Laminektomie notwendig war, stand auch gen\u00fcgend Knochenmaterial f\u00fcr den Zwischenwirbelraum zur Verf\u00fcgung. In F\u00e4llen, in denen eine Laminektomie wie z. B. bei Spinalkanalstenose durchgef\u00fchrt wurde, ist auf jeden Falle eine zus\u00e4tzliche Instrumentation von dorsal erfolgt. Bei einfacher interlamin\u00e4rer Fensterung erfolgte Ausr\u00e4umung des Zwischenwirbelraumes in einer sehr gr\u00fcndlichen Art und Weise von bd. Seiten, wobei die Deckplatten sorgf\u00e4ltig abgekratzt und Knorpelgewebe entfernt wurden. Auf diese Weise entstand eine gute Voraussetzung f\u00fcr die Fusion des Zwischenwirbelraumes. Mit einem Wirbeldistraktor wurde der Zwischenwirbelraum zun\u00e4chst auf einer Seite distrahiert und auf der Gegenseite wurde der Titanschraubspacer unter Bildwandlerkontrolle eingebracht und vorgeschraubt. Es wurde dabei darauf geachtet, dass der vordere Teil des Titanspacer mit der Vorderkante der Wirbelk\u00f6rper in einer Linie stand. Nach Entfernung der Wirbeldistraktor erfolgte dann auch Anbringen des zweiten Titanspacers auf dieselbe Weise.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/oplagerung.jpg\" alt=\"Operative Lagerung\" class=\"wp-image-165\" width=\"487\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/oplagerung.jpg 349w, https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/oplagerung-300x221.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Operative Lagerung<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ergebnisse<\/strong><\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/postopaufnahme3d.jpg\" alt=\"Dreidimansionale post operative Aufnahme\" class=\"wp-image-169\" width=\"275\" height=\"206\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dreidimansionale post operative Aufnahme <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Bei allen operierten Patienten war eine sofortige Belastbarkeit erreicht. Die Gruppe frisch operierter Bandscheibenpatienten konnte nach der Operation sitzen, stehen aber auch laufen. Eine Einschr\u00e4nkung der Mobilisation wegen prim\u00e4r erreichter Stabilisierung war nicht mehr notwendig. Bei vier der genannten Gruppe von Patienten kam es zu einem Nichteinheilen des Knochenmaterials und Rezidivbeschwerden, weshalb die Titanspacer von ventral entfernt werden mussten. Es erfolgte eine Fusion unter Einsatz von Eigenknochen und ventraler Verschraubung. Danach wieder Besserung der Beschwerdesymptomatik.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full is-resized\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/montazem.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/06\/schichtaufnahmenachop.jpg\" alt=\"Schichtaufnahme nach Operation\" class=\"wp-image-170\" width=\"297\" height=\"222\"\/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Schichtaufnahme nach Operation<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>35 Prozent der operierten Patienten konnten ihre fr\u00fchere berufliche T\u00e4tigkeit aufnehmen.<br>28 Prozent waren bereits berentet und berichteten von Wiedereinsatz der k\u00f6rperlichen T\u00e4tigkeit im Garten und Haushalt. 36 Prozent berichteten von einer deutlichen Besserung ihrer Beschwerden, so dass sie von Dauerschmerzmedikation weg kamen.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verfasser: Dr. med. 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